Die gesunde Schwangerschaft und Stillzeit

In diesem wunderbaren Gastartikel erfährst du mehr zum Thema Schwangerschaft und Stillzeit. Stillberaterin Christina Hügelmann legt hierbei den Fokus auf die Bedeutung von Natürlichkeit sowohl in der Ernährung und Körperpflege als auch im Haushalt und natürlich der Säuglingspflege selbst.

Ob Du schwanger bist, oder bereits entbunden hast, Du hast damit das wohl wertvollste Geschenk erhalten, dass das Leben Dir schenken kann. Ein neues Leben.

Dein kleines, so zartes und verwundbares, doch gleichzeitig so perfekt fertiges Baby, wird ab sofort vieles auf den Kopf stellen. Dinge, die Dir bislang selbstverständlich erscheinen, sind es nicht mehr. Das hat seinen Sinn, denn diese Zeit, die nun beginnt, ist eine Zeit voller Umbrüche. Auch Du wurdest gerade neu geboren. Als mütterliche Schöpferin.

In einem sind sich nahezu alle Eltern einig: Ab dem Beginn der Schwangerschaft wird alles getan, um das Baby gut zu versorgen, es gesund zu halten und es sicher zu begleiten. Doch wie gelingt der natürliche Start ins Leben am Besten?

Der Einfluss von Umweltgiften und die Minimierung der Schadstoffaufnahme vor und in der Stillzeit

Wir leben in einer industrialisierten Welt, in der vieles künstlich ist. Wir laufen auf betonierten Straßen, kleiden uns in Kunstfasern und essen vorbearbeitetes Essen. In der Schwangerschaft zählt jedoch nicht mehr nur der eigene Lifestyle. Durch unseren Körper wird ein neuer Mensch erschaffen. Umso wichtiger ist es, diesem Baby die beste Grundlage mitzugeben. Bereits 2004 ergaben Untersuchungen der Environmental Working Group, dass bei einer hohe Quote neugeborener Babies bereits mehrere hundert verschiedene Industriechemikalien im Nabelschnurblut nachgewiesen werden können. Dabei handelt es sich um Pestizide, Chemikalien und sonstige Belastungsrückstände. All diesen Schadstoffen war die Mutter in oder vor der Schwangerschaft ausgesetzt, sie gelangten über die Plazenta in den Blutkreislauf des Babys. Da sich Schadstoffe in den Fettzellen ablagern, kann es in der Schwangerschaft und Stillzeit zum Abbau und damit zur Freisetzung kommen.

Um die Schadstoffaufnahme zu minimieren sollte in Haushalten mit  schwangeren und stillenden Frauen auf Chemikalien, wie Haushaltsreiniger, Farben, aber auch belastete Lebensmittel verzichtet werden. Viele Familien beginnen während der Schwangerschaft, sich mit ökologischer Ernährung und Bioprodukten zu beschäftigen und sich nachhaltig zu ernähren. Ein wichtiger Schritt in Richtung Achtsamkeit. Denn das Ziel, unsere Kinder und unseren Planeten so wenig wie möglich zu belasten, führt auch zu einem bewussteren Umgang mit Konsum. Je weniger wir kaufen und je mehr wir wiederverwenden und recyceln, desto weniger wird verschwendet. So ist es ratsam, bei der Auswahl von Produkten für das Baby auf bereits getragene oder gebrauchte Produkte zurückzugreifen, da diese bereits häufig gewaschen wurden. Gleiches gilt für Möbel, Kindersitz und Tragetuch, idealerweise sind die Produkte ökologischer Herkunft und Möbel unbehandelt. Wir dürfen beginnen, Dinge zu hinterfragen.

Die Belastung durch Umweltgifte kann Asthma und Atemwegsbeschwerden verursachen. Die Verringerung der Schadstoffbelastung hat also unmittelbare und nachhaltig positive Effekte auf die Gesundheit.

Bei der Ernährung ist zu bedenken, dass die Pestizidbelastung nicht biologischer Erzeugnisse deutlich höher ist, als die von Bioprodukten. Auch zu schälendes Obst sollte unbedingt vor dem Aufschneiden gewaschen werden um das Eindringen von Pflanzenschutzmitteln über die Einschnittstelle des Messers zu vermeiden. Tierische Erzeugnisse enthalten oft sehr viele Nebenprodukte. Vor dem Konsum sollte unbedingt die Füttermethode und der Lebensraum hinterfragt werden. Fisch hat häufig einen sehr hohen Methyl-Hg, Quecksilber oder Dioxin Gehalt. Viele Schwangere, die über Fisch versuchen ihren Nährstoffbedarf zu decken, berichten nach dem Verzehr über einen unangenehmen, metallischen Geschmack im Mund. Achte bei der Ernährung unbedingt auch auf eine eventuelle innere Abwehr oder Dein Verlangen. Beide sind gute Indikatoren, welcher Bedarf Deines Körpers gedeckt werden möchte und was Dir gerade nicht gut bekommt. Einer rein veganen Schwangerschaft steht übrigens nichts im Wege.

Neben der Ernährung spielen auch generelle Gesundheitsmaßnahmen für ein gesundes Wachstum des Babys eine wichtige Rolle. So sollten hygienische Maßnahmen wie das Händewaschen zur Routine gehören, ebenso wie das Waschen von Obst, Gemüse (auch Schälobst) und Küchengeräten. Doch bitte vermeide übertriebene Hygiene im Haushalt. Das Reinigen mit natürlichen Substanzen ist deutlich gesünder für die Atemwege und ein wenig Staub schadet Deinem Kind nicht. Auch bei der Körperpflege Deines Babys ist weniger mehr. Kinder müssen keinesfalls täglich gebadet, eingecremt oder gewaschen werden. Das gilt auch für die Haare.

Auf Genussmittel wie Alkohol oder sonstige Suchtmittel sollte in der Schwangerschaft vollständig verzichtet werden. Gleiches gilt für die Einnahme von Medikamenten und Psychopharmaka, beziehungsweise sind diese in Absprache mit dem Arzt und Embryotox anwendbar.

Allgemein soll auf Plastik in der Küche und im Haushalt verzichtet werden, oder nur BPA und phthalatfreie Produkte eingesetzt werden.

Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit

Eine wichtige Voraussetzung für die Gesundheit von Mutter und Kind ist die quantitativ und qualitativ ausgewogene Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit. Sie sollte in erster Linie ausgewogen sein und den erhöhten Bedarf an Nährstoffen decken. Dazu gehören regelmässige Mahlzeiten über den Tag verteilt, die abwechslungsreich sind, viel Früchte und Gemüse, Eiweiss- und Calcium Lieferanten, sowie viel Eisen, Zink, Vitamine und gute Fette enthalten. Dabei sollte unbedingt auch der Genuss im Vordergrund stehen. Denn eine ausgewogene Ernährung darf Spaß machen!

Untersuchungen haben gezeigt, dass die Ernährung die Gewichtsentwicklung der Mutter in der Schwangerschaft mit beeinflusst. Wichtig zu wissen ist, dass das Schwangerschaftsgewicht eine Auswirkung auf die Schwangerschaftsdauer und das Geburtsgewicht des Neugeborenen haben kann.

Der gesamte Energiebedarf in der Schwangerschaft steigert sich von täglich ca. 2200 kcal auf etwa 2500 kcal, im 3. Trimester sogar auf etwa 2700 kcal. Das bedeutet, dass der zusätzliche Energiebedarf selbst im 2. und 3. Trimester nur ca. 300 kcal beträgt. Dabei ist er bei Müttern, die einer eher sitzenden Bürotätigkeit nachgehen niedriger, bei Mehrlingsschwangerschaften etwas höher. Schwangere müssen also zu keinem Zeitpunkt „für Zwei“ essen, sondern sollten sich bewusst und gesund ernähren und auf eine ausgewogene Balance zwischen Kohlehydraten, Fetten und Proteinen achten.

Als besonders gesunde Lebensmittel, die reich an Vitaminen und Spurenelementen sind, haben sich bewährt:

  • für Eisen: Vollkorngetreide, dunkelgrünes Blatt-Gemüse, Wildkräuter, Trockenfrüchte, Nüsse und
    Hülsenfrüchte mit etwas Vitamin C für die bessere Verwertbarkeit.
  • für Vitamin C: Zitrusfrüchte, Tomaten, Broccoli, Kartoffeln, Wildkräuter
  • für Calcium: dunkelgrünes Blatt-Gemüse, Wildkräuter, Tofu, Brot, Nüsse,
  • für Magnesium: Nüsse, Hülsenfrüchte, Vollkorngetreide, Gemüse, Wildkräuter, Obst
    (besonders Bananen).
  • für Folsäure: Hülsenfrüchte, Sprossen, dunkelgrünes Blatt-Gemüse, Wildkräuter, Salate, Vollkornprodukten

Nach der Entbindung fördert das Stillen nicht nur die Rückbildung, es bietet sowohl Mutter als auch Kind große Vorteile. Dabei überwiegen die Vorteile des Stillens und der Muttermilch das Risiko der Schadstoffe in der Muttermilch. Das ausschließliche Stillen in den ersten 6 Lebensmonaten ist die ideale Ernährung für Babys, wobei auch darüber hinaus, zusammen mit einer dem Kind angepassten sicheren und optimalen Beikost weiter gestillt werden sollte.

Körperpflege in der Schwangerschaft und Stillzeit

Auch bei der Körperpflege sollte darauf geachtet werden, synthetische Inhaltsstoffe zu vermeiden. Viele Kosmetika lassen sich leicht selbst herstellen. Das Angebot an pflegenden Ölen, Cremes und Lotionen für Schwangere ist riesig und es ist schwer, den Überblick zu behalten. Da unsere Haut ein riesiges Organ ist, das nicht nur schützt, sondern den Körper auch nährt, ist der achtsame Umgang noch bedeutender. Was auf die Haut geht, gelangt auch unter die Haut.

Vermeide hier so viele Produkte wie möglich. Setze stattdessen auf natürliche Produkte, auf natürliche Öle, auf Licht und Berührung.

Ein hochwirksames Deo lässt sich beispielsweise aus Natron und Wasser oder etwas Kokosöl anrühren, doch es gibt noch mehr natürliche Deo-Alternativen. 

EXPERTENTIPP: Eine reichhaltige Pflegecreme wird im Handumdrehen aus 50ml Muttermilch und 100 ml Mandel– oder Olivenöl herstellen. Dabei wird die Muttermilch mit dem Mixstab einige Minuten lang schaumig aufgeschlagen, dann tröpfchenweise das Öl untergezogen.

Die Brust selbst sollte in der Stillzeit nur mit Wasser abgewaschen werden, Duschgele und Seifen braucht es ebensowenig wie das Abschrubben mit einem Waschlappen. Das Verletzungsrisiko ist dabei zu hoch.

Verzichte auf Parfums und parfümierte Bodylotions um Deinem Kind ein ungestörtes Bonding zu ermöglichen. Mama und Mamas Geruch sind das Wichtigste.

Der Weg in die Natürliche Schwangerschaft, Stillzeit und Säuglingspflege


In der Babypflege und -ernährung ist Natürlichkeit schon fast selbstverständlich geworden. Es wird wieder mehr gestillt und das Stillen gilt zu recht als reine und natürliche Säuglingsernährung. Die Angst vor Schadstoffen in der Muttermilch ist unbegründet, da die Belastung – auch im Vergleich zu künstlicher Säuglingsnahrung – sehr gering ist. Doch der natürliche Umgang und ein Bewusstsein für ökologische Zusammenhänge hat für das Familienleben noch mehr Bedeutung. Ihr habt nun die Gelegenheit, als Familie umzudenken und nicht nur zur Gesundheit Eures Babys beizutragen, sondern gleichzeitig Eure eigene Vitalität zu steigern.

Das Stillen ist Ausdruck Eurer Bindung. Genießt Eure Reise.

Christin Hügelmann

Noch ein paar Worte zum Schluss…

Manchmal können schon kleine Veränderungen GROßES bewirken! Höre einfach in dich hinein und du wirst mit Sicherheit den richtigen Weg für dich und dein Baby finden. Ich selbst habe einen längeren Prozess auf dem Weg zu mehr Natürlichkeit durchlebt. Angefangen bei meiner Ernährung, fort geführt in meiner Körperpflege und im Haushalt und nun auch in meiner gesamten Denk-und Handlungsweise. Du wirst sehen, einmal angefangen ist der Prozess unaufhaltsam und wird dir und einer Familie mit Sicherheit zu einem ganz neuen Lebensgefühl verhelfen.

Alles Liebe Kerstin

 

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Über Christina

 

 Christina Hügelmann ist Mutter, Juristin, Mitbegründerin der Stillakademie, Still- und Laktationsberaterin, Familiencoach und Autorin

Ihre Beratung ist mehr als nur eine klassische Stillberatung. Die Frau steht zu jeder Zeit im Vordergrund und wird gesehen und in ihrer neuen Rolle als Mama unterstützt.

Das ganzheitliche Coaching bezieht alle Bereiche der Elternschaft ein, mit dem Ziel, jeder Mutter das Stillen und Familienleben leicht zu machen. 

 

Bücher:

 

 

 


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